Birgit Valet

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Rudolf Harsch

Wir schreiben das Jahr 1890: In Bretten erblickt am 11. Dezember der kleine Rudolf das Licht der Welt. Als siebtes von elf überlebenden Kindern seiner Mutter Luise Harsch, geborene Nagel, und ihres Mannes, des Brettener Bäckermeisters Theodor Harsch, lernt er nach der Schule - wie sein Großvater Friedrich Harsch - den Beruf des Zimmermanns im Geschäft der Gebrüder Harsch in der Wilhelmstraße. Gerade ausgelernt, mit 17 Jahren, kann Rudolf Harsch sein erlerntes Können bereits sehr gewinnbringend anwenden: Er arbeitet am Wiederaufbau der Innenstadt von Donaueschingen mit, die 1907 nahezu vollständig abgebrannt ist. Sein ältester Bruder Theodor, der als Ministerialrechnungsrat in Karlsruhe arbeitet, vermittelt ihm diesen Gelderwerb. Inmitten von jungen Gesellen anderer Bauberufe bringt Rudolf Harsch seine Jugend zu. Er arbeitet hart.

Schließlich ruft ihn wie seine Brüder das Kaiserreich. Er wird zur Artillerie nach Karlsruhe rekrutiert. Von dort nach der Militärausbildung zurück beschließt er, sich weiterzubilden und besucht die Staatsbauschule in Karlsruhe. Doch dann holt auch Rudolf Harsch der Erste Weltkrieg ein. Bis zum bitteren Ende 1918 kämpft er mit, gerät in Gefangenschaft und kehrt schließlich ein Jahr nach Kriegsende wieder heim nach Bretten.

Er hat trotz seiner jungen Jahre bereits viel hinter sich und weiß, dass Entschlossenheit eine der wichtigen Eigenschaften ist, will man im Leben bestehen. Seine Erfahrungen als Zimmerer beim Wiederaufbau Donaueschingens kommen ihm zugute. Er ist ein unternehmerisch denkender Mensch. Einer, der sein Leben selbst in die Hand nehmen möchte, der für sich selbst, in den eigenen Geldbeutel, wirtschaften will.

Durch seine praktische Ausbildung als Zimmermann und die theoretische hernach an der Staatsbauschule ist er Fachmann für Baufragen. So entschließt sich Rudolf Harsch im ersten Nachkriegsjahr Firmenpapiere drucken zu lassen und ein Gewerbe anzumelden - der Eintrag vom 1. August 1919 in der Kartei des Gewerbeamts Bretten lautet “Harsch, Rudolf, Baugeschäft”. Rudolf Harsch ist fortan selbständig tätig. Die Firma Harsch ist gegründet - mit einigen tausend Mark Erspartem und mit der Bürgschaft seines künftigen Schwiegervaters, des Brettener Schirmfabrikanten August Jörger, dessen Tochter Julie Justine, genannt Jula, der Jungunternehmer Rudolf Harsch am 24. April 1920 heiratet.

Was aus dieser Firmengründung entstehen soll, ahnt der junge Bauunternehmer natürlich nicht im geringsten. Und doch ist er es, der den Grundstein für eine Firmentradition legt, die über lange Jahre und Jahrzehnte vielen in Bretten und anderswo Arbeit und Brot zu geben imstande sein wird. So weit denkt Rudolf Harsch nicht. Er kümmert sich darum, dass ihm die Arbeit nicht ausgeht. Der erste Auftrag, den die gerade gegründete Firma ausführt, ist der Bau eines Stalls beim Sägewerk der Gebrüder Harsch in der Wilhelmstraße/ Pforzheimer Straße.

Als Wohnung dient der Familie Harsch das Haus des Schwiegervaters August Jörger in der Melanchthonstraße, Ecke Schulgasse, nicht weit vom Marktplatz und in unmittelbarer Nachbarschaft zum 20 Jahre zuvor entstandenen Melanchthonhaus. Im dortigen Schaufenster drapiert der junge Unternehmer Utensilien des Baus - Kelle, Hammer, Mörteleimer, um so auf sein Baugeschäft aufmerksam zu machen.

Kaum ein halbes Jahr nach der Firmengründung, am 28. Februar 1920, kauft Rudolf Harsch den Steinbruch zwischen Rinklingen und Bretten von August Fink. Mit dem Kauf dieses Steinbruchs legt Rudolf Harsch den Grundstock für das spätere Firmengelände in der Rinklinger Straße.

Am 4. September 1923 schließlich ist es soweit: Die Bauunternehmung Rudolf Harsch wird im Handelsregister des Brettener Amtsgerichts erstmals eingetragen. 1927 beginnt Rudolf Harsch mit dem Bau des neuen Wohnhauses für seine Familie in der Zähringerstraße. 1928 können die Harschs aus dem schwiegerväterlichen Haus in der Stadtmitte in ein eigenes Zuhause umziehen. Die Familie besteht zwischenzeitlich aus vier Personen. Am 5. März 1921 wird Rudolf Harsch junior geboren, am 7. Dezember 1922 Tochter Erika. Der jüngste Sohn Rudolf Harschs, er wird auf den Namen Wolfgang August Theodor getauft, erblickt das Licht der Welt bereits im neuen Zuhause, am 14. März 1929.

Mit der Firma geht es langsam, aber sicher aufwärts Vier Angestellte, den Inhaber mitgezählt, beschäftigt die Firma und dazu je nach Saison um die 60 Arbeiter. Weitere Grundstücke die Rudolf Harsch kauft und Stück für Stück die Firma weiter aufbaut. 

1945 - Der Krieg ist vorbei. Deutschland am Ende. Die Stunde Null. Die Überlebenden sind konfrontiert mit Tod, Hunger, Leiden. Die neuen Herren betreiben die Entnazifizierung. Währenddessen geht man ans Aufräumen. Jeder packt mit an. Auch der Chef des Bauunternehmens Harsch. Er hilft gerade beim Decken eines kriegsbeschädigten Dachs, als er am 12. August 1945, gerade 54-jährig, an einem Herzinfarkt stirbt.